Verploppt!

 Ich will mich jetzt gar nicht weiter darüber auslassen, dass Flensburger das einzige Bier der Welt ist, dass gezapft genau so schmeckt wie aus der Flasche oder dass ich es nicht besonders mag – ich trinke gerne MecklPi. Aber nach der kurzen Rede von Julia Meyer, der Leiterin des Kreismuseums Plön, kam ein Herr aus dem Vorstand der Flensburger Brauerei dessen Namen ich mal wohlweislich verschweigen möchte.

Die Rede fing gut an und ließ stark nach. Einen Lobbyisten erkenne ich auch ohne Brille drei Meilen gegen den Wind – unfassbar. Nach der üblichen Familienbetriebs Beweihräucherung, kamen Sätze, bei denen es mir schwerfiel nichts zu sagen. Neben einer Beiläufigen Bemerkung darüber, dass in Deutschland alles überreguliert sei, betonte der Herr, dass die Flensburger Brauerei sich der Verantwortung bewusst sei, dass auch Jugendsportmannschaften gesponsert werden müssen. Das ist wahrscheinlich richtig, aber von einem Bierhersteller, also ein Suchtmittel, dass für Kinder und Jugendliche nicht zugänglich gemacht werden darf? Diese Einwände kannte der Herr natürlich und schob hinterher, dass die Flensburger Brauerei ja auch Malzbier und Mineralwasser herstellen würde. Das ist zwar richtig, aber da diese beiden Produkte in den selben Flaschen, wie das Pilsener, das Gold, das Dunkel, das Maibock und das Radler ausgeliefert und verkauft werden, findet schon im Kindesalter eine Markenbindung statt.

Das ist in Deutschland zwar nicht direkt verboten, dennoch wurden vor einigen Jahren sämtliche Schokoladen- und Kaugummi-Zigaretten aus dem Handel verbannt, weil man befürchtete, dass Kinder so absichtlich an den Konsum von Tabakwahren herangeführt würden. Das kann man bezweifeln, sich aber darüber zu beschweren, dass man überhaupt auf so einen Gedanken kommen könnte, ist entweder dumm oder reine Planung. Ich vermute mal letzteres.

Der Schwachsinn ging aber noch weiter. Die Flensburger Brauerei benutzt zum brauen ihres Bieres auch Gerste aus SH, was ich ja gut finde, denn wenn man sich schon regional gibt, dann muss man auch etwas dafür tun. Nun ist die Gerste hier im Land teuer, weil selten geworden, weswegen die Brauerei natürlich nicht verrät, wie viel Gerste aus SH tatsächlich im Bier ist. Das sei, laut des Herren, wegen der Subventionen für Maisanbau und Biogasanlagen. Der Meinung kann man sein und sie ist auch nicht ganz falsch. Ich will mal außer Acht lassen, dass das Problem mit den Subventionen für die Biogasanlagen eher ist, dass nicht vernünftig für den Eigenbedarf subventioniert wird, das wäre ein eigenes Thema und man kann wie gesagt dem Gedanken auch folgen.

Allerdings war es doch die Flensburger Brauerei, die vor einigen Jahren etwa einhundertzwanzigtausend Euro von der EU bekommen hat, um den Plopp zu optimieren. Das war Steuergeld, also eine Subvention, die auch noch unnötig war, denn genutzt hat sie nur der Werbekampagne des Produkts, denn das Bier schmeckte danach noch genau so, das Gefühl sollte aber ein anderes werden. Offenbar sind Subventionen nur gut, wenn die Flensburger Brauerei sie kriegt.

Aber die Flensburger Brauerei hat es auch schwer, schließlich kann sich dieser kleine weltweit agierende Betrieb nicht einmal einen Archivar leisten, um teile der eigenen Geschichte zu konservieren. Deswegen sind die Ausstellungsstücke in der Ausstellung alle über einen gemeinnützigen Verein gekommen, der sich 1990 gegründet hat. Schön, wenn man ein Hobby hat und gut für das Kreismuseum Plön, denn dort steht nun wirklich eine gute Ausstellung, die glücklicherweise keinen leichten Nachgeschmack eines Rattenfängers hat. Danke.

Flo