Der Unterschied der Muslime!

Schwierig, schwierig, schwierig. Wie schreibe ich etwas über „Die Unschuld der Muslime“ ohne polemisch zu werden oder die Messlatte anders anzulegen, als es dem Thema angemessen ist.

Ich fange mal mit der Bewertung dieses extrem durchschnittlichen Films aus Kalifornien an. Was ich bis jetzt davon gesehen habe ist, um es mal vorsichtig zu sagen, ist extrem durchschnittlich bis beleidigend. Nicht unbedingt gegenüber Muslimen, sondern gegenüber der Kunst. Wenn Künstler auf das Niveau von extremistischen, religiösen, vorbestraften Extremisten herabgestuft werden, ist in der Bewertung dieses Films etwas völlig falsch. Anders gesagt, wenn ein Räuber und ein Steuerhinterzieher medial auf eine Stufe mit Kurt Westergaard gestellt wird, läuft etwas richtig falsch. Zu den Westergaard-Karikaturen kann man ja stehen wie man will – mir persönlich gefällt der Stil nicht – aber das ist noch lange kein Grund ihn auf eine Stufe mit einem Extremisten zu setzen.

Ich gebe zu, dass ein Film auch in den Bereich der Kunst gehört und auch ein Spinner seine Meinung unter allen Umständen vertreten dürfen muss. Das ist ja das eigentliche Kredo dieses Blogs. Deswegen finde ich, dass man den Film aufführen dürfen sollte, falls ein Kino gefunden wird, das sich traut. Die Macher und die religiöse Rechte in den USA dürften sich übrigens über die Gratis-Werbung freuen. Auch egal, ich sehe vor meinem inneren Auge schon einen Kinosaal mit vierzig Plätzen und vierzig „Pro Deutschland“-Anhängern und einer Gegendemonstration von Salafisten in Berlin oder Köln vor dem Kino. Das wird großartig. Dazu die Bürger, die sonst gar keine Meinung haben, aber sich aus einem inneren Antrieb gegen die Langeweile daneben stellen und dem ZDF bescheuerte Statements geben. Das wird großartig!

Ich persönlich muss sagen, dass einige Äußerungen in der letzten Woche mich etwas verunsichert haben. Henryk M. Broder hat in seinem – nennen wir es mal Artikel – in der Welt beklagt, dass sich die Medien zu Verständnisvoll gegenüber den Muslimen verhalten. Ich würde sagen: gegenüber den Extremisten und etwas wenig gebildeten Moslems, obwohl ich nicht glaube, dass der Film der Grund für den Hass sind. Der Film ist meiner Ansicht nach eher der Katalysator für die Aggression gegenüber den USA und dem gesamten Westen. Woran das liegt weiß ich nicht, obwohl ich das Unverständnis darüber verstehe, dass der Staat den Film nicht verbieten kann, nicht verbieten darf. Nicht, dass ich finde, dass ein Staat dieses können sollte. Aber wenn Freiheit keine staatliche Tradition hat – ist das ein Widerspruch in sich(?) – ist nicht zu verstehen, warum der staatliche Führer nicht einfach entscheidet den Film zu verbieten zum gefühlten Wohle aller. Daher verstehe ich die Proteste.

An Broders Artikel „Die Schuld der Muslime“ stört mich eigentlich nichts. Ich finde die Kritik, die Herr Broder am ZDF übt sogar noch zu verhalten, denn von den Demonstranten, die in Libyen gegen die Aufstände friedlich – und darauf kommt es an – demonstriert haben, war gar nichts zu sehen, außer in einer Kurzmeldung vom Heinz im heute journal!

Allerdings sehe ich nicht, dass die Muslime jetzt zu radikal auf den Film reagieren. Einzelne ja, aber das Gros, welches Kritik geübt hat, empfand ich als sehr verhalten. Ich möchte nur mal an das Jahr 1979 erinnern. Da kam ein Film mit dem Titel „Life of Brian“ in die Kinos. Hossa, was war da denn los? Die anglikanische Kirche hat getobt, der halbe Mittlere Westen in den USA, der hauptsächlich von deutschstämmigen und Skandinaviern besiedelt wurde, stand buchstäblich in Flammen und „Life of Brian“ ist ein guter Film und wurde auch wegen der Proteste ein riesiger Erfolg. Das wird sich wahrscheinlich auch der Kinobetreiber überlegen, wenn  „Die Unschuld der Muslime“ aufgeführt werden sollte. Es gehört übrigens nicht nur zur Freiheit eines Einzelnen den Film aufführen zu dürfen, sondern auch genau das zu lassen.

Flo