Etwas spät dran!

Ich bin etwas spät dran, um über die letzte Sendung von Menschen bei Maischberger zu schreiben, aber ich musste mich erst einmal beruhigen, denn selten habe ich mir so sehr die Sommerpause zurück gewünscht. Oder, dass Frau Maischberger einfach zurück zu N-TV geht.

Meine Güte war das eine Scheiße! Die Gäste eigentlich vielversprechend, wenn es nicht schon wieder die selben Typen mit den selben Sätzen gewesen wären. Ich möchte mich gar nicht über das Thema „Der Millionär hat’s schwer: Reiche, zur Kasse bitte!“ auslassen, denn meine Auffassung von einem gerechten Steuersystem ist simpler und gerechter als jedes andere auf der Welt, würde niemanden benachteiligen und ist eigentlich ein gerechteres Sozialabgaben-System, aber es geht, wie gesagt, nicht um mein System, sondern um die Sendung aus dieser Woche und Gästemischung bei Frau Maischberger.

Zu Gast waren Dirk Roßmann, Sahra Wagenknecht, Johannes Ponader, Claudia Obert, Ulrich Schneider und Roger Köppel, welche ich gerne der Reihe nach abfrühstücken würde, bevor ich mich um Frau Maischberger kümmere.

Auf Dirk Roßmann lasse ich grundsätzlich nichts kommen, also auf die Person. Er hat nach der Wende zusammen mit ein paar freunden persönlich westdeutsche Zeitungen im Kofferraum in die ehemalige DDR befördert, denn diese gab es da immer noch nicht. Er spendet viel Geld für Kultur, deutsch-jüdisches Leben und neigt zu starker Aufregung bei Klein- und Kleinstthemen. Sehr sympathisch. Und er hat natürlich recht damit, wenn er sagt, dass der Besitz von Immobilien natürlich noch kein Vermögen qua Definition ist. Da stimme ich ihm zu. Was ich allerdings nicht verstehe ist, dass Dirk Roßmann fünfzehn Prozent Körperschaftssteuer für viel hält und bezweifelt, dass zu wenig für Kunst und Kultur in diesem Land getan werde. Um diese These zu untermauern nannte er die Großbau- und Sanierungsprojekte in Dresden. Er hätte auch die Elbphilharmonie nennen können.

Lieber Herr Roßmann, das sind elitäre Projekte und nichts für jeder Mann. Der Preis eines Baus kann doch wohl nicht seinen Kulturwert ausdrücken. Ich hätte erwartet, dass Sie auch soweit kommen in Ihren Überlegungen. Zumal Sie es geschafft haben, Ihr Unternehmen in die Pluszone zu führen. Sie mögen der Meinung sein, dieses läge an den Eigenprodukten. Ich glaube, dass dies nur zur Hälfte richtig ist, denn Ihre Geschäftsführer lassen gerne die Regale von Subunternehmern mit Werksverträgen auffüllen und Ihre Läden leben von 400-Euro-Kräften. Ich würde sagen, die Bundesrepublik mit Ihren Arbeitnehmerrechten hat Ihnen sehr geholfen reich zu werden und zu bleiben – auch wenn man die Immobilien in der Bilanz rausrechnet.

Sahra Wagenknecht möchte ich nur mal sagen, dass es zwar schön ist, wenn man drei gute Sätze hat, die man bei jeder Frage als Antwort geben kann. Allerdings werden die Sätze nicht noch besser, wenn man sie ständig wiederholt, sie werden nur öde!

Johannes Ponader von der Piratenpartei ist in meiner Sympathie gestiegen, weil er in der ganzen Sendung am Anfang fünf Sätze gesagt hat und dann verstummt ist. Ich dachte erst, er hätte einen Schlaganfall gehabt, aber dann fiel mir ein, dass die Piraten einfach gar nichts zu dem Thema beizusteuern haben. Wenigstens war er da.

Claudia Obert war mir glücklicherweise völlig unbekannt. Fernsehsendungen sind jetzt nicht so ihr Ding und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Selfmade-Millionärin nur ein Beweis dafür sein sollte, dass es wirklich jeder in diesem Land schaffen kann, egal wie dumm er ist. Das hätte ich hinnehmen können, denn mir ist es egal, wer wie viel verdient. Aber, wenn jemand der Ansicht ist, dass niemand arm sein muss und Arme nur faul sind bzw. Arbeitslose nur faul sind, dann wünsche ich Frau Obert den Bankrott! Diese These mag im Einzelfall stimmen, aber eben nicht bei allen. Verallgemeinerungen sind das Mittel von Faschisten und der FDP! (Bevor Die Linke sich jetzt freut, nochmal drüber nachdenken.)

Ulrich Schneider konnte einem fast Leid tun. Er hat wenigstens versucht zu diskutieren. Leider scheiterte das an der mangelnden Gesprächsführung von Frau Maischberger und am Gebrüll von Dirk Roßmann, der bei der Aktion „Um-fair-teilen – Reichtum besteuern“ richtig wild wurde. Ulrich Schneider muss man lassen – und dafür bewundere ich ihn – dass er dann ruhig blieb und seine Argumente und Thesen wohl überlegt ausführte. Respekt! Ich bin froh, dass der Geschäftsführer des „Paritätischen Gesamtverbandes“ so leidenschaftlich und überlegt für seine Sache kämpft. Endlich mal der richtige Mann am richtigen Platz. Genug gelobhudelt Flo!

Blieb noch Roger Köppel von der Weltwoche. Entschuldigung, Chefredakteur der Weltwoche. Ich finde es befremdlich, wenn ein schweizer Journalist einer schweizer Zeitung sich über das deutsche Steuersystem äußert. Verstehe ich einfach nicht. Herrn Köppel muss man lassen, dass er bei seinen Thesen bleibt, allerdings ist der Mann nicht in der Lage zwischen Steuern und Sozialabgaben zu unterscheiden. Das hat er allerdings mit Sandra Maischberger gemein. Dort schloss sich dann der Kreis.

Bitte schmeißen Sie hin Frau Maischberger, denn so wie Sie, kann wirklich jeder ein Gespräch führen, dagegen wirkt selbst Günther Jauch hochbegabt und der ist bis zum heutigen Tag an jedem Thema gescheitert.

Flo